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Programmiere dich zur Freiheit

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In SPON Netzwelt schreibt Ole Reißmann über eine Begebenheit, die trendy sein könnte. Junge Menschen entwickeln ein Gefühl der Abhängigkeit von vorgefertigten Apps, weil sie nicht dahinter schauen können, was wirklich so abgeht. Vermeintlich wird angenommen, dass dies vor Jahrzehnten anders war, wo man sich noch mit dem Terminal und Assembler den Algorithmen annäherte. Auch wenn das nie so war, Programmieren ist schon ein Weg zur Emanzipation von den eher gängelnden 'fertigen' Anwendungen. Und ich kann auch gut nachvollziehen, wenn das als 'starkes Gefühl' beschrieben wird, ein Programm selbst zu entwickeln und zum Fliegen zu bringen.

Ob nun Linux oder das DOS-Fenster oder die telnet-Session nun gerade der Befreiungsschlag sind, ist sicherlich auch subjektiv sehr verschieden, denn auch der blinkende Cursor ist ja bereits eine Abstraktion, weit entfernt von den Bit-Kipphebeln der ersten Selbstbau-Computern Mitte der 70er Jahre. Und damals gab es viele Wünsche hinsichtlich einer Literatur des Programms, also dem Schreiben von Prosa, welche dann als Programm verstanden wird. Auch darf man nicht vergessen, dass die Computermaus ja auch schon existierte und man bei Xerox einen graphischen Bildschirmeingabeplatz hatte. Es ist aber nicht weiter bedeutsam, sich der Widersprüchlichkeiten hinzugeben; viel wichtiger ist der Ernst im Wunsch, mit dem Programmierenkönnen endlich hinter die Kulissen schauen zu können. Und dieser Wunsch ist legitim. Zudem man durch das Programmieren vielfältige Aspekte erfährt:

- man lernt kennen, wie ein Computer aufgebaut ist und wie er arbeitet
- man lernt kennen, wie Algorithmen zu codieren sind und wie Programmiersprachen 'ticken'
- man lernt allgemeine Organisationsprinzipien (Stack, Heap, Queue, Modularität, Top-Down-Structures usw.) kennen
- man muss sich mit der Organisation von Texten (Source-Code) auseinandersetzen und den Prinzipien der Wiederverwendung und Versionierung
- man erhält ein gnadenloses Feedback über den eigene Kenntnisstand und die Fehlerfreiheit der eigenen Programme

Ob Programmieren zur politischen Emanzipation beiträgt, ist ein gewagter Schluss; aber wenn das Motiv 'Hinter die Kulissen schauen' sowohl in der Computerwelt als auch in der alltäglichen (politischen) Welt seine Wirksamkeit behält, dann passt das schon. Und, wen juckt es jetzt, sich einem Assembler an den Hals zu werfen?
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Kommentare

  1. Avatar von Butsu
    Man lernt zu formalisieren und strukturiert zu denken.
  2. Avatar von signo eins
    Alles richtig...aber gut Ding will Weile haben ;-), leider fehlt mir hier im Forum, bin ganz neu hier, eine Funktion in der man ein Member direkt anschreiben kann, nun würde ich gern zu itari direkt Kontakt aufnehmen da er den Eindruck bei mir hinterlässt das er weiss worüber er redet wenn er das Wort Linux in den Mund bzw. in die Finger nimmt ;-), also itari wenn du das hier liest, sei bitte so nett und schreib mich kurz unter der Mail Adresse ... post@ypsarion.com... an, das ist zwar noch nicht meine direkte Adresse aber ich will einfach verhindern das jeder sich darauf meldet. Ich hab ein dringendes Linux Anliegen da ich gerade eine alte Passion, Windows Domainserver, verlasse. Ich bedanke mich schon vorab.