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Matthieu's Gedankenstrudel

heise und journalistische Leistungen

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Oft schon ist heise hier diskutiert worden. Der letzte Artikel zum Thema NAS war glücklicherweise ganz in Ordnung, auch wenn die Vergleichstabelle mal wieder eine Ansammlung von Fehlern war. Doch nun muss ich mir wiederum Sorgen um das journalistische Niveau des renomierten IT-Verlags machen. Ich würde mich wahrscheinlich nicht beschweren, wenn es in Deutschland eine ernsthafte Alternative zur c't geben würde, aber die in der c't für das eigene Abo gemachte Werbung ist richtig und angebracht: Dort werden die Cover der verschiedenen IT-Blätter in Deutschland nebeneinander gezeigt - und es braucht kein Genie um die c't binnen Sekunden zu finden. Auch ist der Online-Newsdienst eine gute Quelle für gefilterte Nachrichten aus der IT. Das Sensationsgeheische anderer Medien bleibt dort glücklicherweise außen vor und es werden Meldungen veröffentlicht, wie sie einer Presseagentur löblich wären. Manchmal bemerkt man dort jedoch auch einen Unterton, beispielsweise beim Thema Computerspiele und Gewalt u.ä.

Als nun das neue "Portal mit angeschlossener Zeitschrift" (um es mal so zu formulieren) namens "Mac & I" kam, machte ich mir erstmalig Sorgen. Nun bewahrheiten sich diese in einer Kolumne von Christoph Dernbach.
Um eines klar zu stellen: Ich möchte hier nicht über Apple oder deren Produkte her ziehen. Wie schon anderweitig erwähnt kenne ich die großen OSse alle (wenn auch zugegeben unterschiedlich gut) und erkenne deren Stellung auch an. Nicht zu jedem passt Windows - aber genauso wenig passt auch Mac nicht allen, und das zu unterreden ist etwas, dass von Forschern als eine Abart des Stockholm-Syndroms bezeichnet wurde. Eine Zusammenfassung dieser Forschungsarbeit wurde auch auf heise online veröffentlicht. Und nun lese ich diese Kolumne und falle fast aus allen Wolken. Besagter Autor nutzt die Möglichkeit für einen gesamten Rundumschlag zum Thema Apple, angefangen vom "Anti-Datenschutzpreis" bis hin zur kürzlichen Software-Panne.
Ich hab ja kein Problem damit, wenn man sich für gewisse Vorgehensweisen rechtfertigt, aber einen von Apple als solchen bestätigten Softwarefehler plötzlich als gewollt und harmlos zu verkaufen, ist eine journalistische Glanztat von Bild-Niveau. Sicher sind Kolumnen für die freie Meinungsäußerung geschaffen, aber wer die Kolumnen aus c't kennt, weiß was ich auf einer solchen Seite eigentlich erwarte. Obwohl dort über ein Thema "hergezogen" wird, geschieht dies doch meist auf ironisch-sarkastische und sehr häufig auch konstruktive Weise. Diese Form der Rechtfertigung wie dort veröffentlicht hat mit einer solchen Kultur jedoch nichts am Hut. Ferner wird über die BigBrother Awards geschrieben, man habe sich dort im Ton vergriffen. Diese Auffassung kann ich bei aller Tolleranz nicht teilen, denn solche Negativauszeichnungen sind für ihre provokante Art der Begründung bekannt und die Art, wie die Vertreter von Zensus '11 mit der Kritik umgingen zeigt, dass es auch anders geht. Sie beklagten ihrerseits die Nichteinhaltung von Normen einer demokratischen Gemeinschaft in dieser Preisverleihung, etwa durch eine sehr späte Mitteilung der Preisverleihung an die zuständigen Stellen. Solche Kritik kann man aufnehmen, respektieren und beim nächsten Mal besser machen. Doch die in der Kolumne beschriebene Kritik ist fernab dieser Denkweise.

Um noch eines draufzusetzen, wird der Registrierungszwang von i-Geräten kleingeredet. Frei nach dem Motto "Apple weiß ja was sie tun" werden dort Gefahren wie sie bei Sony vor kurzem unfreiwillig bestätigt wurden, einfach ignoriert. Auch zeigen andere Hersteller ja sehr gut, wie es ohne Registrierung, Zwangsbindung und Informationsfreigabe geht. Andere mobile Betriebssysteme können Programme auch aus fremden Quellen installieren und setzen nicht für jeden Abgleich von Musik eine Registrierung vor. Und Android, respektive Google ist damit keineswegs das beste Positivbeispiel, sondern eher ein Zwischenkandidat, der sich einiger Probleme annimmt, dennoch gern wissen möchte wer da gerade am Gerät sitzt. Wenn ich da an mein Windows Mobile 6.1 denke, boten sich noch ganz andere Möglichkeiten.
Zu guter letzt wird auch behauptet, alle Nutzer wüssten was die eingeforderten Berechtigungen bedeuteten. Eine Aussage, der ich schlicht nicht zustimmen kann. Nicht weil ich eine gegenteilige Statistik kenne, sondern weil ich dafür schon viele i-Nutzer gesehen habe, die sich keine Gedanken gemacht haben. Aber da möchte ich mich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen, mangels Beweisen. Ohne Beleg für die Aussage des Autors kann ich diese jedoch nicht einfach hinnehmen.

Zum Abschluss hier der "Artikel": http://www.heise.de/mac-and-i/kolumn...n-1222074.html
Apple-Pressemeldung zu den Geodaten: http://www.apple.com/pr/library/2011...cation_qa.html
Stichworte: heise, mac
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Kommentare

  1. Avatar von Matthieu
    Offenbar hat man bei heise nicht genug. Ich hab keine Lust mich wieder fachlich mit dem Artikel zu befassen, denn es gibt schon jemanden der das wie ich finde super getan hat. Die vielen Recherchen ist mir das heise-Verschleierungsprojekt "Mac&I" nicht mehr Wert.
    http://www.heise.de/mac-and-i/artike...20264953/read/

    MfG Matthieu